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Gerd Honsik

Freispruch für Hitler?

Das Fragezeichen in Honsiks Buchtitel hätte getrost wegfallen können. Natürlich muss Hitler von allen Vorwürfen freigesprochen werden - so denken jedenfalls die Autoren, die Honsik als "37 ungehörte Zeugen wider die Gaskammer" vorstellt.

Bei diesen "Zeugen" handelt es sich um:

  1. Alois Brunner
  2. Jean Beaufret
  3. J. G. Burg
  4. Arthur Butz
  5. Thies Christophersen
  6. Leon Degrelle
  7. Helmut Diwald
  8. Robert Faurisson
  9. Hans Fritsche
  10. Hans Grimm
  11. Esther Grossmann
  12. Heinrich Härtle
  13. Richard Harwood
  14. Wilhelm Hoettl
  15. David Hoggan
  16. David Irving
  17. Benedikt Kautzky
  18. Erich Kern
  19. Emil Lachout
  20. Heinz Mazakarini
  21. Savitri Devi
  22. Francis Parker Yockey
  23. Polacco de Manasce
  24. Paul Rassinier
  25. Hanna Reitsch
  26. Lothar Rendulic
  27. Henri Roques
  28. Hans Ulrich Rudel
  29. Franz Scheidl
  30. Gerhard Schirmer
  31. Herbert Schweiger
  32. Wilhelm Stäglich
  33. Josef Stuparek
  34. Otto Skorzeny
  35. Helmut Sündermann
  36. Udo Walendy
  37. Ernst Zündel

Unter den hier versammelten Damen und Herren findet sich neben ausgewiesenen Altnazis auch mancher Holocaust-Leugner, wobei das eine das andere natürlich nicht ausschließt. So wird etwa der 4. Zeuge, Arthur Butz, mit den Worten zitiert: "Gaskammern sind Phantasien der Nachkriegszeit."

Honsik zieht eine Passage aus dem Vorwort der deutschen Ausgabe von Butz' Hauptwerk The Hoax of the Twentieth Century heran - übrigens in deutscher Sprache als "Der Jahrhundertbetrug" herausgegeben vom oben erwähnten Udo Walendy - und zitiert Butz wie folgt:

Eine gewissenhafte und kritische Prüfung offenbart, daß die meisten Verbrechen überhaupt nie begangen worden sind, wie etwa "Lampenschirme aus Menschenhaut", denen zuliebe KZ-Insassen einfach umgebracht worden sein sollen. Und so etwas wurde sogar von "Intellektuellen" als unbedingt wahr hingenommen.
(...)
Derartige Untersuchungen werfen die "Massenmord"-Legende von den 6 Millionen hauptsächlich in Gaskammern umgekommenen Juden nicht um.

Arthur Butz in
Honsik, Freispruch

Auch Butz beherrscht offenbar die "Strohmanntechnik", durch die sich die gesamte "revisionistische" Literatur auszeichnet.

Die erwähnten "Lampenschirme aus Menschenhaut" sind eine Marginalie, die mit der Realität des Massenmordes nichts zu tun hat. In Zusammenhang mit der Verurteilung von Nazis und im Rahmen der historischen Darstellung des Judenmordes hat dieses Detail nie eine Rolle gespielt. Es ist unredlich, ein derart fragwürdiges Detail zum Anlass zu nehmen, um Tausende von gesicherten historischen Fakten, die Butz nicht einmal erwähnt, in Abrede zu stellen.

Ein Stück weiter unten spricht Butz von der "Legende von den 6 Millionen hauptsächlich in Gaskammern umgekommenen Juden". Dies ist tatsächlich eine Legende - allerdings eine, die von "Revisionisten" und nicht von der etablierten Geschichtswissenschaft genährt wird.

Die Nazis haben von ihren etwa sechs Millionen jüdischen Opfern ungefähr die Hälfte nicht in Gaskammern, sondern mit Erschießungskommandos und mit Gaswagen umgebracht; dieser Umstand ist seit Jahrzehnten bekannt. Butz legt der Geschichtswissenschaft eine "Legende" in den Mund und "beweist" anschließend, dass sie nicht stimmt. Die Frage, welcher Historiker - wenn überhaupt - diese "Legende" vertreten hat, taucht gar nicht erst auf.

Der 13. Zeuge in Honsiks Buch ist Richard Harwood, dessen Text Starben wirklich sechs Millionen? an anderer Stelle besprochen wird.

Der 18. Zeuge "wider die Gaskammern" ist der Altnazi Erich Kern (Kernmayer), der von Honsik folgendermaßen eingeleitet und zitiert wird:

3,2 Millionen Juden in Hitlers Machtbereich! Sind davon sechs Millionen vergast worden? (...) Das Buch "Die Tragödie der Juden" von Erich Kern wirft Fragen über Fragen auf. So heißt es auf Seite 156: Die "Tat", Zürich, kam in ihrem Artikel "Die erschütternde Bilanz zweier Weltkriege" am 18. Januar 1955 zu der Feststellung: "In den Gefängnissen, Konzentrationslagern usw. von 1939 bis 1945 verstorbene Deutsche, einschließlich der Juden, als Folge politischer, rassischer oder religiöser Verfolgungen: 300.000."

Erich Kern in
Gerd Honsik, Freispruch ...

Die erste Unwahrheit betrifft die Zahl der Juden, die sich in Hitlers Machtbereich befunden haben. Es waren nicht nur 3,2 Millionen, wie Kern behauptet, sondern erheblich mehr. Korherr, Himmlers Statistiker, nennt für 1937 eine Zahl von über 10 Millionen Juden in Europa. Da die Nazis auf dem Höhepunkt ihrer Macht praktisch ganz Europa besetzt hatten, müssen sich alle diese Menschen in ihrer Gewalt befunden haben.

Nach dem Krieg waren die meisten Juden nicht mehr in den Ländern, in denen sie vorher gezählt worden waren. Die Einwanderungszahlen verschiedener Länder der Welt reichen bei weitem nicht aus, um die Dezimierung der Juden in Europa zu erklären. Was aus diesen Menschen geworden ist, geht aus dem Korherr-Bericht hervor.

Die zweite Unwahrheit ist die Zahl von angeblich nicht mehr als 300.000 Opfern der Nazis. Diese Zahl hängt vermutlich mit dem Sonderstandesamt Arolsen zusammen.

Die anderen Beiträge in Honsiks Sammlung sind von ähnlich "revisionistischer" Qualität.

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© Jürgen Langowski 2017