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Heinrich Härtle

Freispruch für Deutschland

Das Buch ist bereits 1965 erstmals aufgelegt worden, spielt aber in der Argumentation heutiger Holocaust-Leugner immer noch eine gewisse Rolle.

Die Anklagebank in Nürnberg
Die Anklagebank in Nürnberg

Der Autor bemüht sich zunächst, die Nürnberger Prozesse als "Rachejustiz" oder "Siegerjustiz" darzustellen und verfährt dabei nach dem üblichen Strickmuster: Apologien für Hitler und seine Helfer, Schuldzuweisungen an alle anderen. Ganz folgerichtig lautet der Titel des ersten Kapitels "Shylock als Richter" - denn wer ein rechter Schurke ist, der muss ein Jude sein.

"Diese Vergeltungsjustiz", schreibt Härtle auf Seite 28, "steht in krassem Widerspruch zu jenen Friedensverträgen, deren Ziel der echte Friede war." Als Beispiel erwähnt er ausgerechnet den Frieden von Brest-Litowsk im Jahre 1917, der von anderen Autoren ganz anders eingeschätzt wird:

Die kaltblütige Brutalität der Friedensbedingungen ließ jene wohlmeinenden Pazifisten in den Ländern der Alliierten, die von einem Frieden der Verständigung auf der Basis der deutschen Friedensresolution vom Juli 1917 gesprochen hatten, für immer verstummen.

Wheeler-Bennett
Der hölzerne Titan, S. 147[2]

Unmittelbar danach folgt in Härtles Buch die nächste Verzerrung der historischen Wahrheit. Über die Verhandlungen nach der Niederlage Frankreichs schreibt Härtle:

Im Juni 1940 wurden die Besiegten im Walde von Compiègne nicht wie die Deutschen 1919 als Angeklagte behandelt, sondern mit allen Ehren, die ein ritterlicher Sieger einem Unterlegenen gewähren kann.

Härtle, Freispruch, S. 28

Der Historiker Joachim C. Fest schildert dieses Ereignis in seiner Hitler-Biographie etwas anders. Zwar seien die Bedingungen aufgrund verschiedener Überlegungen Hitlers eher gemäßigt ausgefallen, aber:

Weitaus weniger generös zeigte Hitler sich im Arrangement der Waffenstillstandszeremonie. Sein Bedürfnis nach demütigender Symbolik veranlaßte ihn, sie in jenem Wald von Compiègne, nordöstlich von Paris, zu veranstalten, wo am 11. November 1918 der deutschen Delegation die Waffenstillstandsbedingungen unterbreitet worden waren.

J. Fest, Hitler, S. 866f
Hitler und Begleiter in Compiègne
Hitler und Begleiter in Compiègne

Anschließend schildert Fest einige ausgesuchte Beleidigungen, die den Besiegten "mit allen Ehren" erwiesen wurden. Zunächst stieg Hitler aus seinem Wagen und baute sich triumphierend vor der Gedenkstätte für den französischen Sieg von 1918 auf.

Dann befahl er, das Denkmal zu zerstören, und danach erst stieg er in den Eisenbahnwaggon, um sich den Verlierern zu widmen. Doch er ließ es sich nicht nehmen, die unfreiwilligen Gäste noch ein weiteres Mal zu brüskieren:

Noch bevor der Vertragstext selbst übergeben wurde, erhob Hitler sich, grüßte mit ausgestrecktem Arm und verließ den Waggon.

Fest, Hitler, S. 867

Die Verfälschungen, die Härtle gleich zu Anfang seines Buches vornimmt, sind symptomatisch für den Rest des Buches. Da die meisten Punkte auch bei anderen Holocaust-Leugnern auftauchen und bereits behandelt worden sind, reicht an dieser Stelle eine stichwortartige Aufzählung einiger Argumente und Scheinargumente, die Härtle in den folgenden Kapiteln benutzt.

Katyn

Den Umgang der Nürnberger Richter mit dem Massaker von Katyn bezeichnet Härtle als den "größen Skandal der Rechtsgeschichte". Ab Seite 277 widmet er sich ausgiebig dem Versuch der Sowjets, den Deutschen die Schuld an diesem Massaker in die Schuhe zu schieben. Er bezeichnet die Beweise als überzeugend, für ihn sind die Russen überführt - und damit überführt er zugleich die Holocaust-Leugner der Lüge, die behaupten, die wahren Umstände der Morde in Katyn wären erst in jüngster Zeit ans Licht gekommen.

Madagaskar

Härtle behauptet, 1940/1941 hätten günstige Bedingungen für die Gründung eines jüdischen Nationalstaates in Madagaskar bestanden. Dafür, dass der Plan nicht ausgeführt wurde, macht er indirekt die Zionisten verantwortlich. Doch bereits am 15. Januar 1939 hatte Rosenberg erklärt: "Es ist zu wünschen, daß die Judenfreunde in der Welt, vor allem die westlichen Demokratien, die über soviel Raum in allen Erdteilen verfügen, den Juden ein Gebiet außerhalb Palästinas zuweisen, allerdings nicht, um einen jüdischen Staat, sondern um ein jüdisches Reservat einzurichten." [vgl. Externer LinkAuswanderung der Juden] Es lag nicht im Interesse der Nazis, irgendwo auf der Welt - ob in Palästina oder anderswo - eine jüdische Machtbasis in Form eines völkerrechtlich anerkannten Staatsgebildes entstehen zu lassen.

Wannsee-Konferenz

Unter Bezugnahme auf Rassinier behauptet Härtle, im Protokoll der Wannsee-Konferenz sei nirgends von Gaskammern oder Vernichtung der Juden die Rede. Eichmann, der dort anwesend war, ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass dort genau dies besprochen wurde: Die Vernichtung der europäischen Juden.

Zahlen der Opfer

Auch über die Bombenangriffe auf Dresden verbreitet Härtle Falschmeldungen. Er nennt eine um das Zehnfache überhöhte Zahl von Opfern (300 000) und behauptet gleich anschließend, die Zahl der Opfer des Judenmordes sei um das Zehnfache übertrieben worden. Auf den Seiten 184ff bemüht er sich denn auch, die jüdischen Opferzahlen herunterzurechnen, bis er zu dem Ergebnis kommt, es könnten nicht mehr als eine oder anderthalb Millionen gewesen sein, "weil gar nicht mehr für Hitler und Himmler 'greifbar' waren". Diese Behauptung, die Härtle wahrscheinlich an Rassinier angelehnt hat, wird allerdings durch Statistiken der Nazis selbst widerlegt.

Die "jüdischen Kriegserklärungen" dürfen in dieser Sammlung von Geschichtslügen natürlich nicht fehlen:

Die ersten Kriegserklärungen gegen Deutschland kamen, das kann nicht verschwiegen werden, von jüdischer Seite.

Härtle, Freispruch, S. 245

Und wenn schon einmal von "jüdischen Kriegserklärungen" die Rede ist, folgt unweigerlich der Hinweis auf die verrückten Ideen des Sonderlings "Theodor Nathan Kaufmann", der überhaupt nicht "Nathan" hieß; Härtle hat dies vermutlich von Goebbels übernommen, der Kaufmans Pamphlet "Germany Must Perish" freudig für seine Propaganda aufgegriffen hat. Den zweiten Schreibfehler hat er vermutlich ebenfalls von dort. "Kaufman" schreibt sich nur mit einem "n". (vgl Goebbels-Tagebücher, 3. August 1941)





Härtle wird u.a. erwähnt bei:

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© Jürgen Langowski 2017