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James P. Warburg

Förmliche Erklärung

[engl. Original s.u.]

Wiederauflebende Nazipropaganda in der Schweiz

Der Mythos des "Sidney Warburg"
Erklärung von James P. Warburg

Im Jahr 1933 veröffentlichte der holländische Verlag Holkema und Warendorf ein kleines Buch unter dem Titel "De Geldbronnen van het Nationaal-Socialisme—Drie Gesprekken met Hitler" (Die Finanzquellen des Nationalsozialismus - Drei Gespräche mit Hitler). Dieses Buch war angeblich von einem "Sidney Warburg" geschrieben worden, der als "Partner des einflussreichen amerikanischen Bankhauses Warburg & Co." vorgestellt wurde. Angeblich enthielt es das Geständnis des "Sidney Warburg", in dem dieser darlegte, wie er im Auftrag einer Gruppe amerikanischer Bankiers vor deren Machtübernahme etwa 8.500.000 Dollar für Hitler und die Nazipartei beschafft hatte. Das Buch versuchte darzulegen, dass die Nationalsozialisten in Deutschland tatsächlich dank der Machenschaften amerikanischer Kapitalisten an die Macht gekommen seien, die der Ansicht waren, sie könnten ihre Investitionen in Deutschland vor einer kommunistischen Revolution schützen, indem sie eine Gegenrevolution der Nazis förderten.

Ein Partner in der damaligen Firma Warburg & Co. in Amsterdam informierte mich damals über das Erscheinen des Buchs. Kurz danach unterrichtete dieser Partner die Herren Holkema und Warendorf darüber, dass unseres Wissens in den Vereinigten Staaten kein Mann namens "Sidney Warburg" existierte, dass in den Vereinigten Staaten keine Bank namens Warburg & Co. existierte, und dass es sich bei dem Buch offenbar um eine Fälschung handelte. Die Verleger zogen das Buch umgehend zurück, da sie erkannten, dass sie auf einen geheimnisvollen Herrn J. G. Schoup aus Antwerpen hereingefallen waren, der ihnen angeblich die holländische Übersetzung eines englischen Manuskripts vorgelegt hatte. Angeblich hatte er es im vorhergehenden Jahr (1933) von einem "Sidney Warburg" zum Zweck der Veröffentlichung erhalten. Diese Tatsachen wurden unlängst, in einem Brief vom 6. Januar 1949, von Holkema und Warendorf bestätigt.

Da es den Anschein hatte, als hätten die Verleger in gutem Glauben gehandelt, schienen mir damals weitere Maßnahmen überflüssig, obwohl das Buch eine Menge verleumderischen Materials gegen verschiedene Mitglieder meiner Familie und eine Reihe prominenter Bankhäuser und Menschen in New York enthielt. Bis auf den heutigen Tag habe ich kein Exemplar des Buchs gesehen. Anscheinend sind nur wenige Exemplare dem Rückruf des Verlags entgangen.

Der ursprüngliche Zweck der Fälschung ist auch heute noch nicht völlig klar. Der unübersehbare Antisemitismus reihte es in die damals von Berlin ausgehende Flut antisemitischer Propaganda ein. Andererseits lässt es der angebliche Beweis, dass Hitler in amerikanischen Juden seine wichtigsten Unterstützer fand, zweifelhaft erscheinen, ob diese Fälschung wirklich das Produkt des nationalsozialistischen Propagandapparats war, auch wenn sich in der Geschichte der Nazipropaganda Beispiele für solche Doppelspiele finden lassen.

Auf jeden Fall scheint es nun, als sei eines der fehlenden Exemplare in die Hände der österreichischen Schuschnigg-Regierung gekommen, als diese von den Nazis unter Druck gesetzt wurde - möglicherweise im Jahr 1937. Ich werde diesen Faden der Geschichte wieder aufgreifen, sobald ich die Ereignisse beleuchtet habe, die sich seitdem zugetragen haben.

Im September 1946 bekam ich einen Brief von einer Mrs Hertha Sonderegger aus Zürich in der Schweiz. Sie stellte sich als Witwe des René Sonderegger vor, der die Zeitgeschichte erforscht habe. Mrs Sonderegger bot mir an, mir für 3000 Dollar das Originalmanuskript des "Sidney Warburg" und gewisse "interessante" Begleitdokumente aus der Sammlung ihres verstorbenen Mannes zu verkaufen.

Ich antwortete nicht auf den Brief und bestätigte nicht einmal den Empfang, sondern schickte ihn unmittelbar an General Clay, den damaligen Militärgouverneur in Deutschland. Ich brachte meine Meinung zum Ausdruck, dass dieser angeblich verstorbene Sonderegger möglicherweise noch lebte und vielleicht sogar hinter der ursprünglichen Fälschung gesteckt hatte, weshalb die Behörden möglicherweise Interesse daran hatten, einen der raffiniertesten Propagandisten der Nazi-Ära in die Hände zu bekommen; und selbst wenn Sonderegger wirklich tot sei, könnte man auch seiner Witwe etwas Aufmerksamkeit schenken, da ihr Versuch, mir die Papiere zu verkaufen, auf ihre Beteiligung schließen lasse.

Anscheinend jagten die Nachfragen, die auf General Clays Initiative hin bei den Schweizer Behörden eingingen, Sonderegger einen Schreck ein, der groß genug war, um ihn unverfroren aus seinem angeblichen Grab steigen zu lassen. Er schrieb mir persönlich und bestritt entschieden, der Brief seiner Frau, den diese zugegebenermaßen auf seinen Wunsch hin verfasst hatte, sei ein Erpressungsversuch gewesen. Eindringlich wiederholte er sein "freundliches Angebot", mir die "Sidney Warburg"-Papiere zu verkaufen. Auch diesen Brief beantwortete ich nicht, sondern schickte ihn an General Clays Abwehrchef weiter. Außerdem versuchte Sonderegger auf mindestens zwei weiteren Wegen, indirekt mit mir Verbindung aufzunehmen. Die Beweise für diese Annäherungsversuche schickte ich ebenfalls nach Berlin. Da Sonderegger ein Bürger der Schweiz war und in diesem Land lebte, waren die amerikanischen Militärbehörden in ihren Ermittlungen beschränkt, gelangten aber dennoch zu gewissen Schlussfolgerungen, die sie, wie ich sicher glaube, zu gegebener Zeit bereitwillig den ordentlich eingesetzten Behörden vorlegen würden.

Nachdem er seine Waren nicht hatte verkaufen können, und da er sich vermutlich sicher fühlte, nachdem es keine offenkundigen weiteren Ermittlungen gegeben hatte, begann Sonderegger nun mit der zweiten Phase seiner Kampagne. Diese Phase ist in zwei oder möglicherweise drei Abschnitte unterteilt: (1) die Veröffentlichung eines Buchs mit dem Namen "Spanischer Sommer" im Aehren Verlag in Auffoltern[1] (2) eine Kampagne, ebenfalls im Jahr 1948, um das alte "Sidney-Warburg"-Märchen in der deutschen Presse wiederzubeleben; und (3) die Veröffentlichung, ebenfalls 1948, eines Buchs namens "Liebet Eure Feinde" im Eduard Fankhauser Verlag in Thielle, Schweiz.

"Severin Reinhardt", der Autor von "Spanischer Sommer", war inzwischen von der Schweizer Presse als René Sonderegger identifiziert. Das Buch "Spanischer Sommer" ist ein bösartiges Gebräu aus Falschheit und übler Nachrede. Die falschen, verleumderischen Aussagen betreffen nicht nur meinen Vater, mehrere meiner Onkel, die Firma Kuhn Loeb & Co. (gegründet von meinem Großvater) und die Hamburger Firma M. M. Warburg & Co., sondern auch eine große Zahl amerikanischer Firmen und Personen, darunter J. P. Morgan & Co., Thomas L. Lamont, die Rockefellers, Winthrop Aldrich, die Guaranty Trust Co., William Potter, Justice Barndeis[2], Bernard M. Baruch, usw. usw.

Das zentrale Thema des Buchs ist eine angebliche jüdische Verschwörung mit dem Ziel, die Weltherrschaft anzutreten. (Es gibt starke Anklänge und Bezüge zu der widerlegten Fälschung der "Protokolle der Weisen von Zion"). Um dies zu stützen, gibt es fantastische Behauptungen wie etwa: J. P. Morgan & Co. werde von Kuhn Loeb & Co. kontrolliert; Kuhn Loeb & Co. sei "die mächtigste der fünf Banken der Federal Reserve"; Jacob H. Schiff und Thomas Lamont hätten die Bolschewistische Revolution in Russland finanziert; mein Vater, Paul M. Warburg, habe über das amerikanische Währungssystem "die Kontrolle übernommen" usw. usw.

Der Kern dieser Galaxis voller bösartiger Erfindungen ist das Geständnis des "Sidney Warburg", das mit neuen Ausschmückungen wiederholt wird. Den Schlussakkord bilden Reinhardts angebliche Beweise dafür, die Auflösung des "Mythos Sidney Warburg" sei einfach darin zu sehen, dass ich, James P. Warburg, der Mann sei, der das Buch geschrieben und die Dinge getan habe, die Sidney gesteht.

Die Geschichte, wie sie jetzt "enthüllt" wird, geht dahin, dass Sidneys Geständnis der Wahrheit entspreche; ich hätte dieses Geständnis aufgrund eines Sinneswandels abgelegt, nachdem mir bewusst geworden sei, was ich angerichtet hätte, nachdem ich Hitler an die Macht gebracht hätte; ich hätte meine Tagebücher, Telegramme und Notizen an J. G. Schoup übergeben, der sie übersetzen und irgendwann während der Londoner Konferenz in Holland veröffentlichen sollte. Die "Beweise" für diese fantastische Geschichte sehen ungefähr folgendermaßen aus:

Zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt, wahrscheinlich 1937, trat, wie Sonderegger behauptet, ein Angehöriger des österreichischen Geheimdienstes an ihn heran und bat ihn, nach Wien zu kommen. Dort übergab ihm ein hohes Mitglied der Schuschnigg-Regierung (in einem anderen Dokument gibt es Hinweise, dass es der Chef des Presseamts Adam gewesen sein soll) eines der wenigen verbliebenen Exemplare des Buchs von "Sidney Warburg" und schlug ihm vor, etwas daraus zu machen. (In der Geschichte heißt es - und dieser Teil könnte sogar wahr sein -, Schuschnigg habe die Nazis mit dem Material diskreditieren wollen, hätte jedoch Angst gehabt, es unter österreichischer Federführung zu veröffentlichen.) Sonderegger wurde anscheinend deshalb für diesen Auftrag ausgewählt, weil er ursprünglich die Hitler-Bewegung unterstützt hatte und ein Anhänger Gregor Strassers gewesen war, bis dieser nach dem Röhm-Putsch mit Hitler brach[3]; er hatte ein Vorwort zu Strassers Buch geschrieben und 1936 beim schweizerischen Resoverlag einen wenig beachteten Aufguss der "Sidney Warburg"-Geschichte unter dem Titel "Finanzielle Weltgeschichte" veröffentlicht.

Nun kommen wir zum "Beweis" für meine Identität. Reinhardt (Sonderegger) besucht in Prag eine Party, auf der die Beförderung des Schweizer Geschäftsträgers Dr. Bruggmann zum Minister gefeiert wird. Dort erzählt er die Geschichte, die er in Wien gehört hat. Ausgerechnet Dr. Bruggmanns Frau identifiziert "Sidney" als "Shimmy Warburg" und erklärt, in Amerika würden die Vornamen Sidney und James oft als "Shimmy" abgekürzt. Damit nicht genug. Mrs Bruggmann sagt, sie sei eine gute Freundin von mir, wir seien in unserer Kindheit Spielgefährten gewesen und zusammen zur Schule gegangen. Sie kann definitiv beweisen, dass Sidney und James P. ein und dieselbe Person sind und behauptet sogar, "Shimmy" sehe Sonderegger ein wenig ähnlich! All dies - so Sonderegger - werde deshalb besonders interessant, weil Mrs Bruggmann zufällig die Schwester von Henry Wallace und die Ehefrau des derzeitigen Schweizer Botschafters in den Vereinigten Staaten sei.

Weitere "Beweise" für meine Identität findet Sonderegger in einem angeblichen Telefongespräch zwischen Roger Baldwin aus New York und mir. Baldwin habe mich in Sondereggers Beisein angerufen, und ich hätte Baldwin angeblich aufgetragen, Sonderegger zu sagen, er solle "zur Hölle fahren".

1948 erschien zum zweiten Mal während dieser Kampagne plötzlich eine Flut von Artikeln, in denen die Veröffentlichung des ursprünglichen "Sidney Warburg"-Buchs als Neuigkeit verkauft wurde. Diese Berichte bezeichneten mich nicht als "Sidney". Sie bauschten die "Geständnisse" zu einer neuen Enthüllung auf.

Mein Vetter, Eric M. Warburg aus New York, der viele Freunde und Verbindungen in Deutschland hat, hörte von diesen Zeitungsberichten, ging der Angelegenheit energisch nach und bewirkte bei einer Reihe von deutschen Zeitungen förmliche Widerrufe. Im Verlauf seiner Nachforschungen kamen eine Reihe von interessanten Tatsachen über den Ursprung des Materials an LIcht, was für mich den Anschein erweckt, als sei dort mehr im Gange als das bösartige und vielleicht psychopathische Unternehmen eines einzelnen Mannes. Es gibt deutliche Hinweise, dass gewisse antidemokratische und chauvnistische Gruppen in Deutschland sich systematisch bemühen, das deutsche Gewissen von jeglicher Schuld für den Nationalismus reinzuwaschen, indem sie beweisen, dass Hitler durch ausländisches Kapital und besonders dank einer jüdischen Verschwörung an die Macht kam.

Wie passt Sonderegger in dieses Bild? Der Redakteur einer deutschen Zeitung, die "Sidneys" Geschichte und danach eine Distanzierung druckte, bekam am 27. April 1949 von niemand anderem als René Sonderegger einen langen Protestbrief. In diesem Brief erklärt Sonderegger, es treffe zwar zu, dass es keinen "Sidney Warburg" gebe, die "Geständnisse" seien aber trotzdem authentisch, weil "Sidney Warburg" lediglich das Pseudonym sei, hinter dem ich, James P. Warburg, mich versteckt hätte. Der Brief wiederholt die indirekten "Beweise" für meine Identität, wie sie auch in "Spanischer Sommer" dargelegt sind, einschießlich der Geschichten über Mrs Bruggmann und Roger Baldwin. (Unter anderem hätte dieser Leserbrief "Severin Reinhardt" eindeutig mit René Sonderegger in Verbindung gebracht, wäre deren Identität nicht längst geklärt gewesen.) Der Brief schlägt der deutschen Redaktion eine systematische Kampagne vor, um "das Warburg-Geheimnis zu erforschen und zu lüften" und enthält einige äußerst interessante Hinweise auf die Natur und HIntergründe des Sondereggerschen Unterfangens.

Der dritte Punkt in der gegenwärtigen Kampagne ist das bereits erwähnte Buch von Zimmermann. Es enthält ein Kapitel mit dem Titel "Hitlers geheime Geldgeber", in dem die ursprüngliche "Sidney Warburg"-Geschichte nacherzählt wird, wobei es allerdings einige, vielleicht sogar beabsichtigte Diskrepanzen gibt. Bisher finden sich keine Hinweise auf eine direkte Verbindung zu Sonderegger, doch der Rest des Buchs lässt auf gewisse Verbindungen zu der Gruppe in Deutschland schleßen, die hinter den jüngsten Zeitungsartikeln steht.

Im Folgenden gebe ich die Veröffentlichung von "Deutsches Zeit Archiv" vom 20. November 1948 wieder[4]. Der Text enthält die wesentlichen Punkte der oben erwähnten Zeitungskampagne.

Amerikanische Bankiers halfen Hitler in den Sattel. (Der Amsterdamer Verlag Holkema und Van Warendorfs Uitg. Mij. NV veröffentlichte unter dem Titel "Die Geldquellen des Nationalsozialismus - Drei Gespräche mit Hitler" ein Buch über die ausländischen finanziellen Förderer des Nationalsozialismus. Der Autor Sidney Warburg ist Partner im einflussreichen amerikanischen Bankhaus Warburg & Co.

Als 1929, so berichtet Warburg, in der amerikanischen Wirtschaft ein gefährlicher Abwärtstrend erkennbar wurde, machte man sich Sorgen um das in Übersee investierte Geld. Der Präsident des Guaranty Trust bat Warburg damals, nach Europa zu fahren, um herauszufinden, in welchem Maße das in Deutschland investierte Kapital durch eine kommunistische Revolution gefährdet sei. Warburg reiste 1929 nach Europa. Nach seiner Rückkehr konnte er den Gedanken bestätigen, der schon in den höchsten amerikanischen Finanzkreisen die Runde machte - dass es nur einen Weg gebe - Hitler! Wie Hearst, der Besitzer des größten amerikanischen Zeitungskonzerns glaubte, würde Hitler sich nicht unzugänglich zeigen. Warburg sollte noch einmal nach Europa reisen - dieses Mal über Italien -, und zu diesem Zweck die Banca Italiana in Rom aufsuchen. Er speiste mit Gregor Strasser und Göring in Balbos Haus. Das Geld, das kurz zuvor verfügbar gemacht worden war, floss über ausländische Banken: fünf Millionen über die Rotterdamsche Bankvereiniging und weitere fünf Millionen über Mendelssohn & Co., Amsterdam. Die Partei brauchte jedoch noch mehr Geld. Weitere 5 Millionen wurden beigesteuert, um die Partei zur Macht zu bringen. Dennoch schritt die Angelegenheit für Warburgs Auftraggeber nicht rasch genug voran. Im Januar 1933 ist Warburg abermals in Deutschland. Dieses Mal empfängt ihn Göring, und auch Goebbels ist anwesend. Erneut werden Hitler Millionen zur Verfügung gestellt. Die Summe, die ihm den Weg zur Macht ebnete, war auf 34 Millionen angewachsen.

Diese Enthüllungen zeigen, wie ungerecht man mit den Deutschen verfährt, wenn man ihnen allein die Schuld an der Machtübernahme des Nationalsozialismus gibt.

Was sollte man tun?

Natürlich läge es nahe, gegen Sonderegger (alias Reinhardt), den Aehren Verlag, Zimmermann, den Fankhauser Verlag und vielleicht noch andere wie den Resoverlag Verleumdungsklage zu erheben. Ich bin mit den Schweizer Gesetzen nicht vertraut, denke aber, dass es nicht zu schwer wäre, eine solche Verleumdungsklage zu gewinnen. Dies wäre jedoch wahrscheinlich mit erheblichen Ausgaben verbunden, die zurückzubekommen kaum Hoffnung besteht, und - noch schlimmer - mit einem gewaltigen Aufwand an Zeit und Energie. Noch wichtiger als diese Überlegungen ist jedoch eine Tatsache, die aus Sondereggers Briefen deutlich hervorgeht - er würde eine Verleumdungsklage seiner eigenen Publicity wegen begrüßen. Nach seiner eher bescheidenen Forderung von 3.000 Dollar zu urteilen - bescheiden jedenfalls für einen Erpressungsversuch - würde es ihn wohl nicht stören, dass er mit Sicherheit verliert und zum Schadensersatz herangezogen wird. Dies gilt möglicherweise aber nicht für die beteiligten Schweizer Verlage. Die Frage, ob Verleumdungsklage erhoben wird, sollte weiter in Betracht gezogen werden, dies stellt jedoch nicht die einzig mögliche Vorgehensweise dar.

In diesem Augenblick habe ich zwei Entscheidungen getroffen:

Erstens bringe ich die ganze Angelegenheit der Schweizer Regierung, der Regierung der Vereinigten Staaten und den britischen und französischen Hochkommissaren in Deutschland zu Gehör.

Zweitens lege ich allen, die sie benutzen möchten, eine eidesstattliche Erklärung vor, in der ich die wichtigsten Tatsachen bezüglich der ursprünglichen Fälschung von "Sidney Warburg" und der unwahren Personengleichheit von James P. Warburg mit dem nicht existierenden "Sidney Warburg" anspreche. Die eidesstattliche Erklärung folgt als zweiter Teil dieser Erklärung.


RENASCENT NAZI PROPAGANDA IN SWITZERLAND

THE MYTH OF 'SIDNEY WARBURG'

STATEMENT BY JAMES P. WARBURG

In 1933, the Dutch publishing house of Holkema and Warendorf published a short book entitled De Geldbronnen van het Nationaal-Socialisme—Drie Gesprekken met Hitler ('The Financial Sources of National Socialism - Three Talks with Hitler'). This book was allegedly written by 'Sidney Warburg', described as 'a partner in the influential American banking house of Warburg & Co.' It purported to be a confession by 'Sidney Warburg', stating circumstantially how he, acting for a group of American bankers, had procured some $8,500,000 for Hitler and the Nazi Party before and after its accession to power. It attempted to show that the National Socialists actually came into power in Germany through the machinations of American capitalists who thought that, by backing a Nazi counter-revolution, they could protect their German investments against a Communist revolution.

I was informed at the time about the appearance of the book by one of the partners of the then existing firm of Warburg & Co., Amsterdam. This same individual shortly thereafter informed Messrs Holkema and Warendorf that no such person as 'Sidney Warburg' was known to exist in the United States, that no banking firm of Warburg & Co. existed in the United States, and that the book was obviously a complete forgery. The publishers promptly withdrew the book from circulation, realizing that they had been hoaxed by a mysterious Mr J. G. Schoup of Antwerp, who had brought them what he described as a Dutch translation by himself of an English manuscript which he claimed had been given to him for publication in the previous year (1933) by 'Sidney Warburg'. These facts have been recently confirmed by Holkema and Warendorf in a letter dated January 6, 1949.

Since it appeared that the publishers had acted in good faith, no further action seemed indicated at the time, even though the book contained a mass of libellous material against various members of my family and against a number of prominent banking houses and individuals in New York. I have never to this day seen a copy of the book. Apparently only a handful of copies escaped the publisher's withdrawal.

The original purpose of the forgery remains somewhat obscure even today. Its obvious anti-Semitism made it appear as part of the then current flood of anti-Semitic propaganda emanating from Berlin. On the other hand, the alleged proof that Hitler owed his chief support to American Jews made it seem doubtful whether this forgery could have been the product of the Nazi propaganda machine, although examples of such double finessing are not uncommon in the history of Nazi propaganda.

In any case, it now appears that one of the few outstanding copies came into the hands of the Schuschnigg Government in Austria at the time when it was under pressure from the Nazis — probably in i937. I shall pick up the thread of the story at this point as soon as I have filled in the necessary background as it has developed since that time.

In September 1946, I received a letter from a Mrs Hertha Sonderegger of Zurich, Switzerland, who described herself as the widow of René Sonderegger, a student of contemporary history. Mrs Sonderegger offered to sell me for $3,000 the original 'Sidney Warburg' manuscript and certain 'interesting' supporting documents in her deceased husband's collection.

I did not reply to, or even acknowledge the letter, but sent it immediately to General Clay, the then American Military Governor in Germany, expressing the opinion that this allegedly deceased Sonderegger might well be alive and the actual perpetrator of the original forgery, in which case the authorities might be interested to lay their hands on one of the slickest propagandists of the Nazi era; and that, even if Sonderegger were actually dead, his widow might merit some attention because of the obvious implications of her attempt to sell me these documents.

Apparently the inquiries made by the Swiss authorities at the request of General Clay sufficiently frightened Sonderegger so that he quite shamelessly emerged from his alleged grave and wrote to me himself, repudiating any possible implication that his wife's letter, admittedly written at his behest, had in fact been an attempt at blackmail. He urgently renewed his 'friendly offer' to sell me the 'Sidney Warburg' papers. This letter was likewise transmitted by me, unanswered, to General Clay's Chief of Intelligence. In addition, Sonderegger tried to approach me indirectly through at least two other channels. The evidence concerning these approaches was likewise transmitted by me to Berlin. Owing to Sonderegger's Swiss nationality and residence, the American Military Authorities were hampered in their investigations but, nevertheless, came to certain conclusions which, I feel sure, they would be willing to disclose to properly constituted authorities at the appropriate time.

Having failed to sell his wares, and probably feeling safe because there was no apparent further investigation, Sonderegger now undertook a second phase in his campaign. This phase falls into two — possibly three — parts: (i) the publication in 1948 by the Aehren Verlag, Auffoltern, Switzerland, of a book called Spanischer Summer ('Spanish Summer') by Severin Reinhardt; (2) a campaign to revive the original 'Sidney Warburg' myth in the German press, also in 1948; and (3) the publication, also in 1948, by the Eduard Fankhauser Verlag, Thielle, Switzerland, of a book called Liebet Eure Feinde ('Love Your Enemies') by Werner Zimmermann.

'Severin Reinhardt', the author of Spanischer Sommer, has since been publicly identified in the Swiss press as René Sonderegger. Spanischer Sommer is a vicious concoction of falsehood and libel. The false and libellous statements concern not only my father, several of my uncles, the firm of Kuhn Loeb & Co. (founded by my grandfather), my grandfather), the Hamburg firm of M. M. Warburg & Co., but a large number of American firms and individuals, among whom are J. P. Morgan & Co., Thomas L. Lamont, the Rockefeller family, Winthrop Aldrich, the Guaranty Trust Co., William Potter, Justice Barndeis, Bernard M. Baruch, etc., etc.

The central theme of the book is an alleged Jewish conspiracy to dominate the world. (There are strong overtones and echoes of the discredited 'Elders of Zion' forgeries.) To bolster this theme there are such fantastic allegations as: that J. P. Morgan & Co. is controlled by Kuhn Loeb & Co.; that Kuhn Loeb & Co. is 'the most powerful of the five Federal Reserve Banks'; that Jacob H. Schi Wand Thomas Lamont financed the Bolshevik Revolution in Russia; that my father, Paul M. Warburg, 'seized control' of the American currency system, etc., etc.

The piece de resistance in this galaxy of malicious fabrication is the 'Sidney Warburg' confession, rehashed complete with new embellishments. The capstone of the climax is Reinhardt's circumstantial 'proof' that the solution of the 'Sidney Warburg myth' is to be found in the simple fact that I, James P. Warburg, was and am the man who wrote the book and who did the things that Sidney confesses.

The story, as now 'revealed', is that the whole Sidney confession is actually true; that I made the confession because I had a change of heart after I saw what I had done in bringing Hitler to power; that I gave my diaries, cables and notes to J. G. Schoup for translation and publication in Holland some time during the London Economic Conference. The 'proof' of this fantastic story is roughly as follows:

At an unspecified time, probably in 1937, Sonderegger was, or says he was, approached by a member of the Austrian Secret Service and asked to come to Vienna. There he was given by a high official in the Schuschnigg Government (there are hints in another document that it was Minister of Information Adam) one of the few outstanding copies of the 'Sidney Warburg' book, with the suggestion that he do something about it. (Schuschnigg – so runs the story – and this part of it may be true – wanted to use the material to discredit the Nazis, but was afraid to have it come out under Austrian auspices.) Sonderegger was chosen for this job apparently because, as an original supporter of the Hitler movement, he had followed Gregor Strasser in his break with Hitler after the blood purge, had written a preface for Strasser's book, and had published in Switzerland some sort of a little-noticed rehash of the 'Sidney Warburg' story under the title Finanzielle Weltgeschichte ('History of World Finance') brought out by the Resoverlag in 1936.

And now we get the 'proof' of my identity. Reinhardt (Sonderegger) goes to a party in Prague to celebrate the promotion of the Swiss chargé d'affaires, Dr Bruggmann, to the rank of Minister. There he tells the story he heard in Vienna. And there Dr Bruggmann's wife, of all people, identifies 'Sidney' with 'Shimmy Warburg', explaining that, in America, both Sidney and James are commonly abbreviated as 'Shimmy'. But that is not all. Mrs Bruggmann says that she happens to be an intimate friend of mine, that we were playmates in our youth and went to school together. She gives definite proof that Sidney and James P. are one and the same. She even says that 'Shimmy' looks a little bit like Sonderegger! And all this — says Sonderegger — is made doubly interesting because Mrs Bruggmann happens to be the sister of Henry Wallace and is now the wife of the Swiss Ambassador to the United States.

Further 'proof' of my identity is offered by Sonderegger in the report of an alleged telephone conversation between Roger Baldwin of New York and myself, in which Baldwin is supposed to have called me up in Sonderegger's presence and I am supposed to have said that Baldwin should tell Sonderegger to 'go to hell'.

Now for the second item in the 1948 campaign. In 1948 there suddenly appeared in the German press a spate of stories dishing up as new the publication in Amsterdam of the original 'Sidney Warburg' book. These stories did not identify me with 'Sidney'. They made no mention of the fact that the publishers had with-drawn the book when they found that there was no 'Sidney'. They played up the 'confessions' as a new revelation.

My cousin, Eric M. Warburg of New York, who has many friends and connections in Germany, heard about these newspaper stories, energetically pursued the matter and obtained formal retractions from a number of German newspapers. In the course of his investigations, a number of interesting facts as to the origin of the material came to light which indicate that more is afoot than the malicious and perhaps psychopathic enterprise of one individual. There are clear indications that certain anti-democratic and chauvinistic groups in Germany are involved in what appears to be a systematic effort to clear the German conscience of all guilt for Nazism by proving that Hitler was put into power by foreign capital and especially by a Jewish conspiracy.

How does Sonderegger come into this? The editor of one of the German papers which printed the 'Sidney' story and subsequently printed a disavowal of the same, received a lengthy letter of pro-test from none other than Rene Sonderegger, dated April 27, 1949. In this letter Sonderegger states that, while it is true that there was no 'Sidney Warburg', the 'confessions' are nevertheless authentic because 'Sidney Warburg' was merely the pseudonym under which I, James P. Warburg, had masqueraded. The letter then repeats the fictitious circumstantial 'proof' of identity much as stated in Spanischer Sommer, including the story of Mrs Bruggmann and the Roger Baldwin tale. (Among other things this letter would clearly identify 'Severin Reinhardt' and René Sonderegger, if that identity were not already established.) The letter proposes to the German editor a systematic campaign of 'investigation and exposure of the Warburg Secret' and gives some extremely interesting hints as to the nature and background of the Sonderegger undertaking.

The third item in the recent campaign is the Zimmermann book previously mentioned. This contains a chapter called Hitler's Geheime Geldgeber ('Hitler's Secret Financial Supporters') in which the original 'Sidney Warburg' story is rehashed, with certain perhaps intentional discrepancies. There is, as yet, no evidence of any direct connection with Sonderegger, but the rest of the book is suggestive of certain tie-ups with the group in Germany, which sponsored the recent newspaper stories.

The following is a translation of a release put out by the Deutsches Zeit Archiv on November 20, 1948. This contains the substance of the newspaper campaign above referred to.

'U.S.A. Bankers helped Hitler into the Saddle. (The Amsterdam firm of Holkema and Van Warendorfs Uitg. Mij. NV, has published, under the title "The Monetary Sources of National Socialism — Three Conversations with Hitler", a book about the foreign financial sources of support for National Socialism. The author is Sidney Warburg, partner in the influential American banking house of Warburg & Co.)

'When in 1929, so reports Warburg, dangerous downward trends became manifest in the American economy, one began to worry about money invested abroad. At the time Warburg was asked by the President of the Guaranty Trust to go to Europe to find out to what extent capital invested in Germany might be jeopardized by the danger of a Communist revolution. Warburg went to Europe in 1929. On his return he confirmed what had already been considered in high American financial circles — there was only one way — Hitler! And as Hearst, the owner of the greatest American newspaper concern, believed, Hitler would show himself to be not unapproachable. Warburg had to go to Europe again — this time via ltaly — in order to visit the Banca Italiana in Rome for this purpose. At the same time he dined with Gregor Strasser and Goering at Balbo's house. The money, which had recently been made available, flowed through foreign banks: five millions through the Rotterdamsche Bankvereiniging and five millions through Mendelssohn & Co., Amsterdam. But the Party needed more. Another i 5 millions were contributed to lift the Party into power. Nevertheless, the course of events did not go fast enough to suit Warburg's principals. In January, 1933, Warburg is in Germany again. This time Goering received him and Goebbels is also present. Again millions were placed at Hitler's disposal. Now the sum with which he allowed his road to power to be paved had risen to 34 millions.

'These revelations show how little one does justice to fact if one blames the Germans alone for the coming into power of National Socialism.'

WHAT SHOULD BE DONE?

There is, of course, the obvious procedure of instituting libel actions against Sonderegger (alias Reinhardt), the Aehren Verlag, Zimmermann, the Fankhauser Verlag, and perhaps others, including the Resoverlag. I am not familiar with Swiss law, but I should think that it would not be too difficult to win such libel actions. They would, however, probably entail considerable expense with small chances of recovery and - worse - a tremendous amount of time and energy. Far more important than these considerations, however, is the fact—clearly indicated in Sonderegger's letters — that he would welcome a libel action for the sake of the publicity he would thus obtain. Judging from his rather modest demand of $3,000 — modest, that is, for an attempt at blackmail — he would not be bothered by the certainty of losing the verdict and having damages assessed against him. This may, however, not be true of the Swiss publishing firms involved. The question of libel action should be studied further but it does not constitute the only method of procedure.

At this time I have decided to do two things:

First, to bring this whole matter to the official attention of the Swiss Government, the Government of the United States, and the British and French High Commissioners in Germany.

Second, to provide for those who may wish to use it, a formal affidavit in which I state the essential facts concerning both the original 'Sidney Warburg' forgery and the spurious identification of James P. Warburg with the non-existent 'Sidney Warburg'. This formal affidavit follows as part two of this statement.





Anmerkungen:

  1. Gemeint ist der Aehren Verlag in Affoltern am Albis
  2. Gemeint ist höchstwahrscheinlich Justice Louis Brandeis
  3. Wohl eine Namensverwechslung. Gregor Strasser wurde offenbar in Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch ("Nacht der langen Messer") 1934 ermordet. Sein Bruder Otto Strasser lebte bis 1974 und schrieb das Buch "Die Deutsche Bartholomäusnacht", das Sonderegger verlegerisch betreut hat; vgl. Hermann Lutz, "Fälschungen zur Auslandsfinanzierung Hitlers" in: VfZ 1954/4, S. 390
  4. Aus dem Englischen rückübersetzt

Übersicht:

Quellen:

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© Jürgen Langowski 2017